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KRITIK: „Willkommen bei den Sch'tis“ ist mit über 20 Millionen Zuschauer allein in Frankreich, der erfolgreichste französische Film aller Zeiten, und auch in Deutschland fanden 2 Millionen Kinogänger den Weg in die Lichtspielhäuser, um sich über die warmherzige Komödie kaputtzulachen. Comedian Dany Boon („Affären à la carte“, „Mein bester Freund“) inszenierte einen sehr persönlichen Film über die Zwistigkeiten zwischen den Süd- und den Nordfranzosen, mit allerlei sympathischen Charakteren. Worauf die meisten Lacher in „Willkommen bei den Sch'tis“ beruhen, ist der teilweise sehr unverständliche französische „Ch'ti“- bzw. „Picard“-Dialekt, den die Bewohner des Nordens sprechen. Dass der Film auch in der deutschen Fassung bestens funktioniert, ist dem eigens dafür ausgedachten deutschen Sch'ti-Dialekt zu verdanken, der u.a. von Christoph Maria Herbst („Wickie und die starken Männer“, „Neues vom WiXXer“), welcher Regisseur, Autor und Co-Darsteller Dany Boon seine Stimme leiht, wunderbar versprachlicht wird. Dass man nicht einfach einen ostfriesischen oder vielleicht schwäbischen Akzent verwendet hat, kommt dem Film wirklich zu Gute.
Beim Sch'ti-Dialekt wird u.a. das „s“ wie ein „sch“ ausgesprochen, das „ch“ wie ein „s“ oder das „z“ wie ein „tsch“. Zu dem gibt es noch weitere Eigenheiten, wie die kumpelhafte Bezeichnung „Tschipfel“, welches man seinem Gegenüber freudig zuruft, oder dass man beinahe jedem Satz ein „hä“ anhängt. Diese Aussprache macht die ohnehin schon herzlich geschriebenen Charaktere noch ein Stück sympathischer und driftet dabei nur sehr selten ins Alberne ab. Da Dany Boon selbst im Norden aufgewachsen ist und ihm deswegen immer großes Mitleid zuteil wurde, wollte er endlich mit den ganzen Vorurteilen aufräumen und ein positives Bild der Einwohner und der Umgebung auf Film verewigen. Das gelingt ihm wirklich vortrefflich, doch auch die Darsteller tragen zum einem großen Teil dazu bei, dass der Film einfach Spaß macht. Keine einzige Rolle wirkt fehlbesetzt, alle Darsteller, nicht nur Dany Boon selbst, verkörpern ihre Rolle mit großer Freude, vor allem Hauptdarsteller Kad Merad („Paris, Paris“, „Kann das Liebe sein?“). Er hat wahrscheinlich die meisten Lacher auf seiner Seite, wenn er z.B. wie ein kleines Kind trauert, als er erfährt, dass er versetzt wird, oder seiner Frau die verrücktesten Lügen auftischt. Vor allem im Doppelpack mit Boon, sind die witzigsten Szenen entstanden. Ein Highlight ist definitiv, dass große Besäufnis während der Arbeitszeit, welches in einer Ausnüchterungszelle endet. Doch der Film bietet nicht nur viel für die Lachmuskeln, sondern auch fürs Herz. Eine menschlichere Komödie hat man schon lange nicht gesehen, wenngleich man es vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas übertreibt, und den Humor zuweilen vergisst. Ein paar wenige Durststrecken kann man den Film, aufgrund des wirklich positiven Gesamteindrucks, aber definitiv verzeihen.
Bei der Blu-ray Umsetzung gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Die Extras sind mit einer Laufzeit von ungefähr 134 Minuten recht üppig ausgefallen und geben einem einen Einblick zur Entstehung des Films, auch wenn man sie etwas hätte kürzen können. Ein langes Interview mit Dany Boon ist sehr aufschlussreich und das „Making of“ verdeutlicht einmal mehr, dass die Chemie der Darsteller nicht nur vor der Kamera gestimmt hat. Auf einen kurzen Ausschnitt vom SWR über das Dorf „Bergues“ hätte man aber verzichten können. Weiterhin gibt es noch einen netten Beitrag mit Christoph Maria Herbst, der uns einen Einblick in die Synchroarbeiten gewährt, und natürlich die obligatorischen Trailer.
Auch auf technischer Seite kann die Blu-ray im Großen und Ganzen überzeugen. Das Bild kommt im Format 2,35:1 und liegt in 1080p/24 vor. Die Bildschärfe ist durchweg gut, wirkt in dunkleren Passagen aber etwas zu grieselig. An Sprachen gibt es Deutsch und Französisch jeweils in DTS HD Master Audio 5.1 zur Auswahl. Auch wenn der Film für eine Komödie typisch frontlastig ist, ist die Balance des Tons ideal aufeinander abgestimmt und bietet klaren Sound. Zudem gibt es noch Untertitel in deutsch und schweizerhochdütsch.
Ein wirklich nettes und einfallsreiches Gimmick ist das 20-seitige Booklet, dass der Blu-ray beliegt: „Das kleine Sch'ti-Wörterbuch“.
(Sebastian Wotschke)
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