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KRITIK: Wrestling ist ein Phänomen. In den USA sitzen Tausende in den Hallen und Millionen vor dem Fernseher um sich Männer in meist bunten, extravaganten Verkleidungen anzusehen, wie sie in den Ring steigen um deutlich gestellte Kämpfe zu bestreiten. Da steht weniger der Sport im Vordergrund, sondern viel mehr das große Show-Event. Über das was dahinter steckt und über das Privatleben der Kämpfer erfährt man nur wenig bis gar nichts. Über jeden anderen Sport, sei es Boxen oder Baseball, gibt es unzählige Filme. Wrestling bleibt da in der Unterzahl, aber Independent-Regisseur Darren Aronofsky („Requiem for a Dream“, „The Fountain“) schafft endlich Abhilfe.
In einem ruhigem Ezähltempo zeigt uns Aronofsky das trostlose Leben eines früheren Wrestling-Stars. Die Geschichte über einen Außenseiter, der seine besten Tage bereits hinter sich hat, ist dabei keineswegs neu und schon gar nicht innovativ, doch ist sie in dem Zusammenhang mit dem ungewöhnlichen Milieu des Wrestlingsports frisch und unverbraucht.
Der ganze Film wurde mit einer Handkamera gedreht, was ihm einen dokumentarischen Touch verleiht. Auf optische Spielereien verzichtet der Regisseur diesmal, nur im Vorspann erkennt man noch ein wenig seine Handschrift aus früheren Filmen. Auch wenn die Szenen mit eher zurückgenommenen und einfachen Mitteln transportiert werden, ist der Effekt aber dadurch keineswegs gering, sondern noch wirkungsvoller. Es unterstreicht die Geschichte und das Geschehen nur umso mehr. Musikalisch wird hier alles geboten was der Rock der 80er Jahre zu bieten hat, von Guns N' Roses bis zu den Scorpions. Ansonsten nimmt man sich musikalisch zurück, lässt die Bilder meistens für sich sprechen. Zu erwähnen sei aber noch der Titelsong von Bruce Springsteen, der im Abspann für Gänsehaut sorgt.
Der Sport an sich spielt in dem Film eine eher untergeordnete Rolle, auch wenn die Kämpfe, die hier gezeigt werden, großartig in Szene gesetzt sind. Hier dreht sich alles um die Figur Randy „The Ram“ Robinson. Ein Mann, der sich an den Ruhm vergangener Tage klammert, für den Wrestling alles bedeutet und der sich nur schwer in die Gesellschaft integrieren kann, so sehr er es auch versucht. Die Rolle wird hervorragend verkörpert von Mickey Rourke, den die meisten Kritiker schon abgeschrieben hatten, aber der in diesem Film eindrucksvoll sein schauspielerisches Können unter Beweis stellt. Völlig zu Recht hat er dafür auch schon zahlreiche Auszeichnungen (u.a. den Golden Globe) und eine Oscar-Nominierung erhalten. Der Zuschauer leidet bei jedem Schicksalsschlag mit ihm, und freut sich über jeden kleinen Erfolg, den „The Ram“ in dem Film verbuchen kann. Aber auch Marisa Tomei in der Rolle der Cassidy darf nicht unerwähnt bleiben. Cassidy ist eine in die Jahre gekommene Stripperin und Mutter, welche jedes Gefühl für ihren Kunden Randy zu unterdrücken versucht. Die innere Zerrissenheit wird von Marisa Tomei wunderbar zum Ausdruck gebracht. Auch für sie gab es eine Oscar-Nominierung. Zu guter Letzt wäre da noch Marylin Mansons Ex-Freundin Evan Rachel Wood, die Randys im Stich gelassene Tochter spielt. Auch wenn ihr im Film vergleichsweise wenig Auftritte geboten werden, meistert sie den Spagat zwischen Trauer, Wut und dem letzten bisschen Liebe, welche sie für ihren Vater verspürt.
(Sebastian Wotschke)
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