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KRITIK: „Slumdog Millionär“ ist ein Film, der plötzlich aus dem Nichts kam und die begehrtesten Filmpreise der Welt abräumte. Auch bei den diesjährigen Academy Awards konnte er den im Vorfeld zu stark gehypten „Der Seltsame Fall des Benjamin Button“, der mit 13 Nominierungen ins Rennen ging, aber am Ende nur 3 Oscars in vergleichsweise unwichtigen Kategorien gewann, hinter sich lassen. Danny Boyles Liebesdrama bekam acht der goldenen Trophäen (u.a. bester Film und beste Regie) und ist nun endlich auch in den deutschen Kinos gestartet. Doch was macht den Film so besonders?
Der Film erzählt die Geschichte eines Jungen, der in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und nun die Chance hat, seiner schlimmen Vergangenheit zu entkommen und ein neues Leben zu beginnen. Das ist ein Stoff aus dem Hollywood-Träume sind, nur wird er diesmal in einem (für die westliche Welt) ungewohntem Umfeld, den Slums Indiens erzählt und erfährt dadurch eine unglaubliche Intensität. Wer jetzt argwöhnisch Richtung Bollywood blickt, braucht sich keine Sorgen machen. Nur im Abspann kommt der typische Bollywood-Flair auf und dürfte eventuell sogar Gegner, dank der amüsanten und gelungenen Darbietung, gefallen. Ansonsten zeigt uns der Film eine Welt voller Armut, Verbrechen und Gewalt, gleichzeitig aber auch voller Freundschaft, Liebe und Hoffnung. Trotz aller Widrigkeiten lehrt uns die Geschichte, dass man sein Leben jederzeit umkrempeln kann. Durchbrochen werden die (grandios gefilmten) Bilder Indiens, durch das für uns Zuschauer kulturell einzig Vertraute, der Quiz-Show „Wer wird Millionär“. Eine Sendung, die in Indien für Hoffnung steht und die Jamal nutzt, damit er seine große Liebe Latika endlich für sich gewinnen kann. Eine Liebe, die schon seit Jamals Kindheit einer der wenigen Lichtblicke in seinem Leben ist.
Danny Boyle ist einer der vielseitigsten Regisseure die es gibt. Sei es Drogen-Drama („Trainspotting - Neue Helden“), Horror-Schocker („28 Days Later“), oder Komödie („Lebe lieber ungewöhnlich“), der Mann kennt sich in so ziemlich jedem Genre aus und war daher für die Produzenten die erste Wahl, als es darum ging Vikas Swarups Roman „Q and A“ (Deutscher Titel :“Rupien! Rupien!“) zu verfilmen. Doch zunächst hatte Danny Boyle überhaupt kein Interesse an dem Projekt. Erst als er erfuhr, dass das Drehbuch aus der Feder Simon Beaufoys („Ganz oder gar nicht“) stammt, zeigte er Gefallen daran und war, als er das fertige Skript las, völlig begeistert. Boyle gelingt es durch betörende (digital gefilmte) Bilder, welche an manchen Stellen abstoßen, aber einen meistens verzaubern, einen realistischen Eindruck der indischen Slums zu vermitteln. Trotz der Leiden, die dem Protagonisten Jamal während seiner Kindheit widerfahren, ist „Slumdog Millionär“ ist erster Linie eine Geschichte über die Liebe. Der Regisseur schafft es, dabei niemals in allzu kitschige Gefilde abzugleiten, oder sich zu sehr auf das Filmpaar zu fokussieren.
Auch bei der Auswahl der Schauspieler zeigt er ein glückliches Händchen. Dev Patel, ein britischer Schauspieler, spielt den aufrichtigen und bauernschlauen Jamal auf absolut sympathische Weise. Ein junger Mann, der trotz aller Schicksalsschläge niemals die Hoffnung aufgibt oder die Freude am Leben verliert. Der Rest der Besetzung wurde vor Ort gecastet, auch Hauptdarstellerin Freida Pinto. Bezaubernd und charmant ist sie in der Rolle von Jamals großer Liebe zu bewundern. Die Kinderdarsteller wurden in den Slums gecastet und doch spielen sie auf dem gleichen Niveau wie die übrige Besetzung, die u.a. anderem aus bekannten Bollywood-Größen besteht, wie Anil Kapoor oder Irrfan Kahn. Die Darsteller, die bildgewaltige Inszenierung, der mitreißende Soundtrack und selbstverständlich die märchenhafte Geschichte schaffen es, dass der Film den Zuschauer völlig in seinen Bann zieht und man sich selbst dabei ertappt, beinahe aufzuspringen und mitzujubeln, wenn Jamal wieder eine Frage beantwortet und seinem Ziel immer ein Stückchen näher kommt.
(Sebastian Wotschke)
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