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KRITIK: Kein anderer Regisseur wird von Filmliebhabern dermaßen vergöttert und gleichzeitig so verteufelt wie er: Quentin Tarantino („Reservoir Dogs“, „Jackie Brown“). Mit seinem zweiten Film „Pulp Fiction“ gelang dem ehemaligen Videothekar ein großer Überraschungserfolg und alles was Tarantino zukünftig anfasste, versah seine Fangemeinde auf der Stelle mit dem Prädikat „Kult“. Und auch mit der Kriegs-Groteske „Inglourious Basterds“ ist ihm wieder ein ganz großer Wurf gelungen, für den ihn seine Anhänger so lieben und seine Gegner hassen.
Der Film ist dabei wieder so typisch Tarantino wie auch „Kill Bill“ oder „Death Proof – Todsicher!“ und doch etwas völlig anderes. Viele typische Markenzeichen werden seine Anhänger mit Freude goutieren, doch bietet das für ihn ungewöhnliche Setting des zweiten Weltkrieges neue Möglichkeiten, bei denen sich Tarantino mal so richtig austoben kann. Auf historische Korrektheit verzichtet der Kultregisseur dabei völlig. Der Inhalt verbindet Elemente aus Arthouse-Filmen und Schundromanen und zeigt uns einen zweiten Weltkrieg, wie er im Tarantino-Universum ausgesehen hätte. Schräge Dialoge, noch schrägere Charaktere und eine zum Teil brutale Rachestory, die trotz aller trashigen Elemente, für durchgehende Spannung sorgt und mitreißt. Auch in „Inglourious Basterds“ gibt es wieder viele Szenen, die in die Filmgeschichte eingehen werden, sei es die Sequenz in der Bar, oder die Einführung von Hugo Stiglitz (Til Schweiger).
Unterteilt wird der Kriegsfilm in fünf Kapitel, die schon einzeln für sich genommen, wunderbar als Kurzfilme funktionieren würden, sich aber spätestens beim Finale zu einem stimmigen Ganzen zusammensetzen. Die Unterteilung nutzt Tarantino mal wieder um verschiedene Filmgenres zu zitieren. Erinnert das erste Kapitel noch dank des Spannungsaufbaus und der musikalischen Untermalung an einen Spaghetti-Western, zeigt das dritte Ansätze der „Nouvelle-Vague“ und im finalen Kapitel macht Tarantino nicht mal vor dem deutschen Expressionismus halt. Dabei schafft er es all diese Elemente zusammenzuführen und zu seinem ganz unverkennbaren Stil werden zu lassen. Und was den Grad der Gewalt angeht ist Tarantino auch dieses Mal nicht gerade zimperlich, doch sind die expliziten Darstellungen über den gesamten Film wohl dosiert und spielen nur ein untergeordnetes Element.
Was bei „Inglourious Basterds“ besonders heraussticht ist die großartige Darstellerriege. Hauptdarsteller Brad Pitt („Der seltsame Fall des Benjamin Button“, „Burn After Reading – Wer verbrennt sich hier die Finger?“), der gerade mal eine Screentime von ungefähr 30 Minuten hat, spielt seinen Charakter auf eine wirklich humorvolle und doch kaltblütige Weise, bleibt aber deutlich weniger im Gedächtnis, als so manch anderer Darsteller des Films, wie beispielsweise Newcomerin Mélanie Laurent („So ist Paris“). Ihr Charakter Shosanna changiert zwischen Verletzlichkeit und Rachegelüsten und ist der eigentliche Protagonist. Das Quentin Tarantino darauf bestand die deutschen Charaktere auch mit deutschsprachigen Schauspielern zu besetzen, kommt dem Film wirklich zu Gute. Egal ob Daniel Brühl („Krabat“, „John Rabe“), Diane Kruger („Das Vermächtnis des geheimen Buches“) oder Til Schweiger („Keinohrhasen“, „Phantomschmerz“), alle machen ihren Job hervorragend. Das größte Lob gebührt aber ohne Zweifel dem Österreicher Christoph Waltz („Herr Lehmann“), der völlig zu Recht den Darstellerpreis in Cannés bekam und den sich die Academy schonmal für eine Oscar-Nominierung vormerken sollte. Sein Charakter Hans Landa ist der bösartigste und hinterlistigste Filmbösewicht seit langem. Weiterhin zu erwähnen sind Komiker Mike Myers („Der Love Guru“, „Austin Powers – Das Schärfste, was ihre Majestät zu bieten hat“), Michael Fassbender („300“, „Eden Lake“) und Regie-Kollege Eli Roth („Hostel“), dessen eher minimales schauspielerisches Können bei einem ansonsten so großartigen Cast zwar noch deutlicher zu erkennen ist, aber glücklicherweise keinen nachhaltig negativen Eindruck hinterlässt. Und Fans einer gewissen Rockband aus Berlin (aus Berlin!) dürfen sich über einen zweisekündigen Auftritt des Grafen freuen.
Somit steht gerade für die Anhängerschaft Tarantinos nichts im Weg, sich diesen Film anzusehen und abzufeiern. Damit dies aber gewährleistet wird, ist es dringend zu empfehlen sich die Originalversion anzusehen, in der mehr französisch und deutsch gesprochen wird als englisch. Die synchronisierte Fassung
wird einiges an Atmosphäre vermissen und inhaltlich einige Szenen sinnlos erscheinen lassen.
(Sebastian Wotschke)
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