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KRITIK: Ein Mystery-Thriller aus Deutschland? Da darf man als Zuschauer ruhig skeptisch sein, denn gelungene Vertreter des Genres sind hierzulande äußerst selten zu finden. Und eins kann man schon vorwegnehmen: Auch „Hinter Kaifeck“ kann an dieser Statistik nichts ändern. Regisseurin Esther Gronenborn („Alaska.de“, „Adil geht“) wirkt jederzeit bemüht einen Gruselfilm zu inszenieren, der den internationalen Standards gewachsen ist, scheitert aber vor allem an den inhaltlichen Unzulänglichkeiten und der nicht vorhandenen Eigenständigkeit.
„Basiert auf einer wahren Geschichte“: Dieser Satz wird so oder so ähnlich gerne mal bei amerikanischen Mystery- oder Horrorfilmen verwendet. Und auch Esther Gronenborn hat sich an einen wahren Mordfall orientiert um drumherum eine phantastische Geschichte zu spinnen. Im Jahr 1922 wurde auf einem abgelegenen Hof in Oberbayern eine fünfköpfige Familie samt Dienstmagd auf grauenvolle Weise niedergemetzelt. Der mysteriöse Fall wurde nie aufgeklärt. Dies ist natürlich genau der ideale Stoff für eine Verfilmung, mit jeder Menge Verschwörungen und übernatürlich wirkenden Geschehnissen. Inszenatorisch macht man zu Beginn auch alles noch richtig. Marcs Visionen sorgen dank den düsteren Bildern und der schaurigen Soundkullise für Gänsehaut, die Dorfbewohner wirken sehr geheimnisvoll und die vielen offenen Fragen halten den Zuschauer bei der Stange. Je länger der Film jedoch dauert, desto langweiliger werden die sich immer wieder wiederholenden Flashbacks, die zunächst noch erfrischend unergründlichen Einwohner wirken bald unfreiwillig komisch und die offenen Fragen werden größtenteils völlig unzufriedenstellend beantwortet. Dabei bietet dieses kleine bayerische Dorf zunächst genau die richtige Atmosphäre und die sich langsam aufbauende Spannung hat einiges an Potenzial, welches aber leider nicht über die gesamte Spieldauer genutzt wird.
Wie es seit M. Night Shyamalans „The Sixth Sense“ bei Mysteryfilmen Gang und Gebe ist, hat natürlich auch „Hinter Kaifeck“ noch einen überraschenden Storytwist zu bieten. Unerwartet ist diese Wendung ohne Zweifel, doch zeigt sie ohne den dazugehörigen Aha-Effekt leider kaum Wirkung. Was bis dahin trotz der negativen Aspekte auf jeden Fall noch für Genrefans für kurzweilige Unterhaltung hätte sorgen können, erreicht dann aber den Höhepunkt beim leider völlig misslungenen Finale, welches an Albernheiten und dämlichen Dialogen kaum noch zu überbieten ist.
Auch die Darsteller können den Film nicht aus seiner Unterdurchschnittlichkeit heraushelfen. Benno Fürmann („Nordwand“, Speed Racer“) scheint mit der Rolle nichts anzufangen zu wissen und beschränkt sich lieber auf 90 Minuten dauerndes Stirnrunzeln, als auf schauspielerische Glanzleistungen. Da schafft es sogar sein Filmsohn Henry Stange („Die Sturmflut“) mehr Emotionen zu zeigen. Die bezaubernde Alexandra Maria Lara („Der Untergang“, „Leben ohne Jugend“) weiß immerhin ihr Sympathiepotenzial zu nutzen und spielt auf gewohntem Niveau. Ob sie passend dafür besetzt ist, sei zwar dahingestellt, dennoch ragt sie aus dem Darstellerensemble heraus. Ansonsten braucht man den übrigen Cast nicht zu erwähnen, welcher mit den oberflächlich gezeichneten Charakteren stark zu kämpfen hat.
Die Blu-ray Umsetzung weiß da schon mehr zu gefallen. Gerade der Ton (5.1. DTS-HD Master Audio) sorgt mit klangvollem Surroundsound für wohliges Gruseln. Das Bild (Format 1,78:1, 1080p/24) ist insgesamt sehr detailreich und auf technisch gutem Niveau, nur an einigen meist dunkleren Stellen etwas zu grieselig. Auch bei den Extras hat man sich nicht lumpen lassen: Geschnittene Szenen, ein Making Of, Szenenfotos, sowie Trailer und Interviews mit den Hauptdarstellern und der Regisseurin sind vorhanden. Ein interessantes Gespräch gibt es noch mit dem Experten Peter Leuschner, der uns etwas mehr über den damaligen Mordfall erzählt. Einziger Wermutstropfen ist, dass bis auf die Trailer alle Extras in Standardauflösung vorliegen und teils eine sehr bescheidene Bildqualität aufweisen.
(Sebastian Wotschke)
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