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KRITIK: Die Geschichte von „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ basiert auf einer wahren Begebenheit aus den 20er Jahren. In einem Vorort von Tokio, lebte ein Universitätsprofessor, der jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit fuhr. Sein Akita-Hund Hachiko hatte sich angewöhnt, ihn jedes Mal vom Bahnhof abzuholen. Doch eines Tages erlitt der Professor an der Universität einen Herzinfarkt, an dem er kurz darauf starb. Hachiko wartete jedoch weiterhin, jeden Tag, zehn Jahre lang an dem Bahnhof auf sein Herrchen, bis zu seinem eigenen Tod. Hachiko erlangte landesweite Berühmtheit und gilt als Symbol für wahre Treue, die über das Leben hinausgeht. Nicht nur, dass man ihm am Bahnhof eine Bronzestatue errichte, auch viele japanische Kinderbücher widmeten sich „Chuken Hachiko“, dem „treuen Hund Hachiko“. Erstmals verfilmt wurde seine Geschichte 1987 unter dem Titel „Hachiko Monogatari“.
Hollywood hat seid jeher ein Faible für Hundefilme. Die Vierbeiner sind schließlich fast schon als Garant für überfüllte Kinosäle zu bezeichnen. Umso erstaunlicher ist es, dass man sich der Geschichte Hachikos nicht schon eher angenommen hat. Doch gerade dank den jüngsten Erfolgen wie „Das Hundehotel“ und selbstverständlich „Marley & ich“, ist die Zeit reif für den treuen, japanischen Akita-Hund. Die Geschichte spielt nun in der Gegenwart und wurde von Japan in die USA verlegt. Wer nun Angst bekommt, dass die Geschichte zu einem oberflächlichen und rührseligen Drama verkommt, dem darf Entwarnung gegeben werden. „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ ist ein ruhig erzählter und anrührender Familienfilm, mit tollen Darstellern und einem sehr emotionalen Finale.
Tierfreunde werden den Film schon in den Anfangsminuten vergöttern, wenn der süße Hund zum ersten Mal in die Kamera blickt. Langsam entwickelt sich die Freundschaft zwischen Professor Parker Wilson und dem kleinen Hachi, und auch Ehefrau Cate findet allmählich Gefallen an dem verspielten Vierbeiner. Regisseur Lasse Hallström („Wir Kinder aus Bullabü“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“) bombardiert uns mit jeder Menge amüsanter Szenen, bei denen gerade jüngeren Zuschauern das Herz aufgehen wird. Nicht nur dank den Akita-Hunden wissen die Sequenzen zu überzeugen, auch die Darsteller wurden ideal besetzt. Das Ehepaar wird gespielt von Richard Gere („Pretty Woman“, „I'm Not There“) und Joan Allen („Wie ein einziger Tag“, „Das Bourne Ultimatum“). Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, die zwei Schauspieler wären wirklich seit Jahren miteinander verheiratet, so sehr stimmt die Chemie zwischen den Beiden. Aber auch die Nebendarsteller, wie Jason Alexander („Seinfeld“, „Schwer verliebt“), in der Rolle des mürrischen Bahnhofsvorstehers, Erick Avari („Der Kaufhaus-Cop“, „Mr Deeds“) als Hot-Dog-Verkäufer oder Martial-Arts-Experte Cary-Hiriyuki Tagawa („Mortal Kombat“, „Die Wiege der Sonne“), der einen engen Freund des Professors verkörpert, dürfen nicht unerwähnt bleiben und überzeugen voll und ganz.
Leider verliert sich Hallström etwas in den unbeschwerten Szenen. Die Handlung plätschert mit der Zeit vor sich hin und lässt Highlights vermissen. Die Musik von Jan A. P. Kaczmarek („Wenn Träume fliegen lernen“, „Aimée & Jaguar“) ist gleichzeitig Tief- und Höhepunkt des Films. Gerade in der ersten Hälfte wirkt sie völlig überladen und für manche Szenen unpassend pathetisch. Doch spätestens wenn die Tragödie ihren Lauf nimmt, schafft es nicht nur Kaczmareks Score den tragischen Momenten die richtige Untermalung zu liefern, auch Hallström findet wieder zur seiner gewohnten Stärke, die ihn schon für Filme wie „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ und „Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“ jede Menge Ruhm einbrachte. Die dramatische und hochemotionale Inszenierung lässt den Zuschauer mit den Tränen kämpfen. Hallström vermittelt mit einem Tier so viel Menschlichkeit und regt noch nach dem Kinobesuch zum Nachdenken an. Kinogänger die allgemein nichts mit gefühlvollen Dramen anfangen können, dürfte der Film zu sentimental sein. Doch bietet der Film, trotz eines etwas zähen Mittelteils, genug Positives um ihn eine Chance zu geben.
(Sebastian Wotschke)
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