Herstellungsland:
Deutschland, Vereinigtes Königreich, Italien, Spanien
Genre: Drama
Laufzeit: 148 Minuten
FSK: ab 12 Verleih: Constantin Film Kinostart (D): 22.10.2009
Kinostart (USA): 2010
Blu-ray Verkauf (D): -
DVD Verkauf (D): -
Regie: Sönke Wortmann Drehbuch: Sönke Wortmann, Heinrich Hadding, Donna Woolfolk Cross (Romanvorlage) Kamera: Tom Fährmann
Darsteller:
Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Anatole Taubman, Alexander Held, Tigerlily Hutchinson, Lotte Flack ... Originalmusik: Marcel Barsotti
Was ist das nur mit Sönke Wortmann? Seine Filme sind mittlerweile so, so...ja, beliebig. Wo ist die Spritzigkeit und Leichtigkeit von seinen Frühwerken wie „Kleine Haie“ oder „Der bewegte Mann“? Das ist jetzt sage und schreibe 17 Jahre her. Auch das Sommermärchen zur Fußball-WM 2006 zog seine Faszination nicht aus Wortmanns Geschick, sondern allein aus der Stimmung im Land und im Kader. Ein Selbstläufer.
Jetzt hat der 50jährige Regisseur und Produzent (Lammbock) also den Bestseller „Die Päpstin“ von Donna W. Cross verfilmt. Einen solchen Megaseller zu realisieren ist ein wagreiches Unterfangen. Viele Leser kennen die Story und reagieren auf jede Änderung/ Szenentilgung empfindlich bis verärgert. Die Geschichte ist also weitgehend bekannt: Die junge und intelligente Johanna (Wokalek), Tochter eines Priesters, nimmt anstelle ihres Bruders den Platz an einer Klosterschule im Deutschland des 9. Jahrhunderts ein. Im Laufe ihrer akademischen Karriere muss sie ihre Maskerade stets beibehalten und sich als Junge bzw. Mann ausgeben, um in der Männerwelt des Klerus zu bestehen. Nur Graf Gerold (David Wenham) kennt ihr Geheimnis. Sie werden ein Liebespaar. Allerdings muss sich Johanna zwischen ihm und der Kirche entscheiden, da man ihr als Johannes das Amt des Papstes anträgt und sie annimmt.
Die Legende um Johannes Anglicus bietet ausreichend Stoff für aufwühlende Kinominuten: Kirchengeschichte, Unterdrückung der Frau, mittelalterlicher Alltag, Ungerechtigkeit, Krieg, Liebe – alles da.
Der Trailer ließ Kritiker fast verstummen und dass Franka Potente durch Johanna Wokalek ersetzt wurde, die zweifellos die talentiertere Schauspielerin ist, gab Anlass zur Hoffnung auf einen erfolgreichen und guten Film. Hier agiert Wokalek allerdings sehr spröde. Wie so ziemlich jeder andere Darsteller auch. David Wenham (Ja, Faramir aus Herr der Ringe, wieder in Rüstung und demselben Wallehaar) bleibt blass, John Goodman spielt recht übertrieben und die anderen Akteure pendeln zwischen Overacting (Alexander Held als Kaiser Lothar, der immer nur steif seinen Kopf zur Seite neigt, was total unnatürlich wirkt, aber ganz offensichtlich kaiserliche Würde darstellen soll) und Langeweile. Wortmann hat seine Schauspieler nicht richtig geführt. Das ist mitunter ärgerlich, weil so etwas gerade bei einem Kostümfilm schnell ins Auge gehen kann. Das wirkt oft unsagbar peinlich. Dass der Kniff eines Erzählers herangezogen wurde, ist missglückt. Das nimmt dem Film von Anfang an jedes Tempo und degradiert ihm zu einer überlangen Märchenstunde. Mit 148 Minuten ist der Film quälend lang.
Schade, hat Wortman hier doch die Chance vertan einen eindringlichen, spannenden Film zu machen. Alles wirkt blutleer und eindimensional. Das Ende zudem vollends hilflos und zu abrupt.
(Simone Sass)
FAZIT: Wer das Buch mochte, wird von Wortmanns gebremster, konservativer Umsetzung enttäuscht sein. Auch Fans von Historienfilmen bietet „Die Päpstin“ nichts als konventionelle Durschnittskost.