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KRITIK: George A. Romero ist der unangefochtene Meister des Zombiefilms. 1968 erschuf er mit „Die Nacht der lebenden Toten“ ein völlig neues Horror-Subgenre, in der die Untoten nicht nur irgendwelche Marionetten eines Voodoo-Zaubers waren. Seine Fortsetzung „Dawn of the Dead“ (dt. Titel: „Zombie“) wurde zu einem großen Kultfilm, der heute noch die Jugendschützer in Schweißbrüche versetzen lässt. Als sein zu Unrecht weniger beachteter Film „Day of the Dead“ (dt. Titel „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“) in den 80er Jahren erschien, war der Markt bereits von vielen Zombie-Billigproduktionen übersättigt und es dauerte knapp zwanzig Jahre bis Romero mit „Land of the Dead“ seinen vierten Teil verwirklichen konnte. Das Genre bekam schließlich mit den „Resident Evil“-Videospielen / Verfilmungen und natürlich mit dem „Dawn of the Dead“-Remake neuen Aufschwung und George A. Romero hat nun in Rekordzeit „Diary of the Dead“ fertig gestellt, der nach langem Warten endlich auch in einer deutschen Fassung erscheint.
Der Regisseur bricht zum ersten Mal mit seiner Tradition, die Geschichte des Zombieangriffs weiterzuerzählen und seine Untoten um immer neue Fähigkeiten zu bereichern. Diesmal befinden wir uns wieder ganz am Anfang der Zombie-Epidemie. Dieser Schritt war notwendig, schließlich präsentiert Romero seinen neuesten Streich in einem völlig anderem Gewand, denn „Diary of the Dead“ ist komplett im Dokumentarstil inszeniert worden. Eine Zombie-“Blair Witch Project“-Variante gab es zwar unter anderem schon in dem beinahe gleichzeitig erschienenen (sehr empfehlenswerten) Film „[REC]“, doch sind es diesmal keine angeblich gefunden Videoaufnahmen, die dem Zuschauer präsentiert werden, sondern ein von Studenten fertig gestellter Dokumentarfilm. Diese Idee bringt durchaus frischen Wind in Romeros Reihe, doch funktioniert das Ganze auch auf gewohntem Niveau?
Die Antwort lautet: Jein. Denn der Film bietet sowohl gelungene Momente, aber auch jede Menge Schattenseiten. Was als erstes auffällt ist, dass einige Szenen sehr amateurhaft inszeniert wurden und eher an irgendwelche Billigproduktionen erinnern. Man kommt gar nicht auf die Idee, dass ein Regisseur alter Klassiker dahintersteckt. Da der Film als Dokumentarfilm inszeniert wurde, sollte er auch möglichst authentisch wirken, was allerdings durch übertrieben humorige Stellen und einiger dümmlicher Dialoge verhindert wird. Das große Problem bei so einem Film ist immer, den Antrieb des Kamearamanns glaubwürdig darzustellen, warum er die ganze Zeit mitfilmt. Hundertprozentig möglich ist dies wahrscheinlich nie, damit muss man sich bei so einem Film von vornherein abfinden, dass aber Josh ohne Skrupel draufhält, wenn beispielsweise seine Freunde erschossen werden, geht dann doch zu weit. Überhaupt handeln die Charaktere zu großen Teilen unlogisch. Klar, der Film ist streckenweise auch als Satire angelegt, als normaler Spielfilm hätte das Drehbuch aber wahrscheinlich besser funktioniert. Trotz alledem können gerade Anhänger des Genres einen Blick riskieren. Denn genauso oft, wie uns der Altmeister Szenen vorsetzt, bei denen einem die Haare zu Berge stehen (negativ gemeint), können einige durch eine pessimistische Endzeit-Stimmung und blutiger Action überzeugen und mitfiebern lassen. Die Schauspieler agieren ebenfalls für einen Horrorfilm gut und prominente Nachrichtensprecher wie Quentin Tarantino, Simon Pegg oder Stephen King erfreuen das Filmfanherz.
(Sebastian Wotschke)
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