| |
KRITIK: Der in den 60er Jahren verstorbene Marxist und Befreiungskämpfer Che Guevara gilt heute noch als Ikone und sein Konterfei als Symbol für die Revolution. Viele Geschichten, viele Meinungen gibt es über den kubanischen Volkshelden, so dass es kaum verwunderlich ist, dass dieser Stoff für Filmproduzenten ein gefundenes Fressen ist. Das Ergebnis ist aber umso erstaunlicher, präsentiert man uns doch mit diesem zweiteiligen Mammutprojekt keine simple Hochglanzproduktion, sondern ein authentisch, dokumentarisch wirkendes Drama, das weit Abseits des Mainstreamkinos anzusiedeln ist.
Regisseur Steven Soderbergh ist neben Blockbustern wie der „Oceans Eleven“-Trilogie auch bekannt für ungewöhnliches Kino à la „Kafka“ oder „The Good German – In den Ruinen von Berlin“. Auch „Che“ macht da keine Ausnahme, der Aufgrund der Thematik und der langen Spieldauer fürs Kino in zwei Teile gesplittet wurde („Che – Revolucion“ und „Che - Guerilla“). Der erste Teil erzählt die Geschichte Ches während der kubanischen Revolution. Umrahmt wird dieses historische Ereignis von einem Fernsehinterview, welches Che im Jahre 1964 führte, und einer Rede während einer Vollversammlung der Vereinten Nationen (beides in schwarz-weiß gehalten). Den Rebellenaufstand zeigt Soderbergh überraschend distanziert und nüchtern. Kein verklärtes Heldenepos, auch kein großes Gefühlskino. Der Film bleibt ernst und nachdenklich und schafft gerade durch die emotionale Distanz das gegenteilige Ergebnis zu erzielen und zwar, dass die Ereignisse den Zuschauer berühren und fesseln.
Neben den nüchternen Doku-Look ist es vor allem Hauptdarsteller und Co-Produzent Benicio del Toro („Fear and Loathing in Las Vegas“, „Things We Lost in the Fire – Eine neue Chance“) zu verdanken, dass man sich dem Gezeigten nicht zu wiedersetzen weiß. Del Toro spielt nicht nur Che Guevara, für ungefähr viereinhalb Stunden (wenn man den zweiten Teil mitzählt) ist er es auch! Selbst wenn der Film an sich für eher gespaltene Reaktionen bei den Filmfestspielen von Cannes sorgte, ist del Toros schauspielerisches Können unbestritten, weswegen er auch mit dem Preis als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. Auch wenn der Rest des Casts aus eher weniger namhaften Darstellern besteht, können auch diese überzeugen, u.a. Demián Bichir als Fidel Castro.
Insgesamt betrachtet ist es trotzdem schwierig, den Film vorbehaltlos zu empfehlen. Einige Längen stören den Verlauf, so dass man ruhig zwanzig Minuten mit der Schere hätte ansetzen können. Auch durch die bereits angesprochene Distanz zu den Ereignissen, könnte es dem einen oder anderen Kinogänger schwerfallen, eine intensive Beziehung zu den Geschehnissen aufzubauen. In den USA lief der Film praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit und auch hierzulande wird man Che wohl eher in den hiesigen Programmkinos finden. Dass dieser Film nichts für das allgemeine Mainstreampublikum ist und auch kein vergnügliches Kinoereignis liefert, sollte jedem vorher bewusst sein! Sehenswert ist der Film trotzdem, mit all seinen Kontrasten (beispielsweise der Hass der amerikanischen Bevölkerung gegenüber Che, im Vergleich zu der hemmungslosen Freude der Kubaner), dem geheimnisvoll spielenden Hauptdarsteller und dem stimmungsvollen Ende, welches schon auf den zweiten Teil einstimmt.
(Sebastian Wotschke)
|
|